Avalokiteshvara – Bodhisattva des Mitgefühls

BlogBuddhismus 

format_list_numbered Inhaltsverzeichnis



Dir gefällt der Artikel? Teile ihn mit deinen Freunden!

[Sassy_Social_Share]

BlogHinduismus / Gottheiten /

Avalokiteshvara – der Bodhisattva des Mitgefühls

Im Mahayana Buddhismus gilt Avalokiteshvara als der Bodhisattva, der das Mitgefühl und Verständnis aller Buddhas in sich vereint und verkörpert. Im tibetischen Buddhismus werden ihm allein 108 Avatare zugeordnet – einer davon ist Padma Pani: Derjenige, der den Lotus (Padma) hält. Von allen Bodhisattvas ist er derjenige, der am meisten Verehrung findet.

Avalokiteshvara-Bodhisattva-des-Mitgefuehls

format_list_numbered Inhaltsverzeichnis


Dir gefällt der Artikel? Teile ihn mit deinen Freunden!

[Sassy_Social_Share]

Avalokiteshvara – die Bedeutung des Namens

Im Mahayana-Buddhismus nennt man Avalokiteshvara den Bodhisattva des unendlichen Mitgefühls.

Der Name Avalokiteshvara stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie:

  • Ishvara: Herrscher
  • Avalokita: wahrnehmen
  • Loka: Welt
  • Svara: Klang, Ton

Frei übersetzt meint das: Avalokiteshvara ist der:

  • der jeden Ton der Welt wahrnimmt
  • der ständig alle Lebewesen sieht und hört (im Blick hat)

Darum trägt Bodhisattva Avalokiteshvara auch beispielsweise den Beinamen:

  • „Der Herr, der mit mitfühlenden Augen die Welt betrachtet.“

Weitere Interpretationen seines Namens sind:

  • “der Herr, der in alle Richtungen schaut”
  • “der Herr dessen, was wir sehen”

In Kambodscha und Thailand nennt man ihn am häufigsten: „Herr der Welt“ = Lokeshvara und in Sri Lanka ist er als Natha-deva = Schutzpatron Sri Lankas bekannt, wo man ihn oft fälschlicherweise mit Maitreya – dem Buddha, der noch kommen wird – verwechselt.

Was ist ein Bodhisattva?

Der Begriff Bodhisattva ist abgeleitet aus den Worten

  • Bodhi = Erleuchtung, Erkenntnis
  • Sattva = das Seiende, Wesen

Wörtlich aus dem Sanskrit würde man es übersetzen mit:

  • Einer, dessen Wesen Erkenntnis ist.

Im westlichen Verständnis könnte man einen Bodhisattva als eine Art Vermittler sehen – ähnlich wie im Christentum die Heiligen – der daran interessiert ist, die Menschen auf dem Weg zu wahrer Erkenntnis bzw. zur Erleuchtung zu begleiten.

In seinem Bemühen nach der eigenen Erleuchtung ist ein Bodhisattva somit bestrebt, allen anderen Wesen dabei zu unterstützen, sich ebenfalls aus dem endlosen Kreis der Reinkarnation – dem Samsara – zu befreien und ins Nirvana einzugehen.

Im Mahayana-Buddhismus sind besonders die folgenden Bodhisattvas von großer Bedeutung:

Manjushri

Bodhisattva der Weisheit“

Vajrapani

Herr der Geheimnisse

Padma Pani

Halter des Lotus

Maitreya

Buddha der Zukunft

Ksitigarbha (jap.: Jizō)

Schutzgott der Kinder

Akashagarbha

Bodhisattva des Raumes

NirvaranaviskambinSamantabhadra

der allumfassend Gute

Es wird zwischen irdischen und überirdischen Bodhisattvas unterschieden. Die irdischen stehen mitten im Leben und werden von Mitgefühl und Liebe getragen, während sie dem Wohle aller Wesen, sowohl den Menschen als auch den Tieren dienen.

Die überirdischen Bodhisattvas sind sogenannte transzendente Wesenheiten, die ebenfalls allen Wesen beistehen und sie auf dem Pfad der Befreiung begleiten.

Bodhisattva erleuchtete Wesen im Buddhismus

Die Geschichte des Avalokiteshvara

Avalokiteshvara – auch Lokeshvara, Guanyin, Kannon, Spyan Ras Gzigs/Chenresi genannt – wurde der Legende nach vor 2.500 Jahren als Königssohn in Indien geboren. Sein Vater – ein mächtiger König  – erlernte unter Buddha Ratnagarbha bestimmte Formen der Meditation. Indem der König diese bis zur Vollkommenheit verfeinerte, erreichte er das Nirvana und wurde zu Buddha Amitabha.

Buddha Amitabha war der geistige Lehrer seines Sohnes. Dieser zeichnete sich bereits als Jüngling durch eine besonders edle Gesinnung aus. In seinem Bestreben, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, wandte der Königssohn sich an Buddha Ratnagarbha und erklärte diesem, dass er sich des Leidens aller Lebewesen sehr bewusst wäre und bereit sei, nicht eher zu ruhen, bis alle Wesen aus ihrem Leid befreit sein würden.

Laut den Erzählungen brachte der Königssohn in Gegenwart des Buddha Ratnagarbha den Erleuchtungsgeist hervor: Das Streben nach Erleuchtung zum Wohle aller Wesen.

Angeblich richtete er folgendes Wunschgebet an den Buddha:

„ Verleihe mir die Kraft, dass später allein das Aussprechen meines Namens dazu führt, dass das Leiden der Lebewesen besänftigt wird.“

In Tibet kennt man Avalokiteshvara als Chenrezig (Chenzesi) – den Bodhisattva des universellen Mitgefühls und eine Gottheit, zu der alle Tibeter seit Jahrzehnten beten. Die fortgeschrittenen Buddhisten sehen ihn eher als Fähigkeit der selbstlosen Unterstützung anderer Wesen.

Nach der buddhistischen Tradition stammt die Kraft des Mitgefühls aus der Erkenntnis, dass alle Wesen miteinander verbunden sind. Diese Erkenntnis ist nur durch langes Praktizieren zu erlangen. Laut dem Buddhismus ist der aktuelle Dalai Lama „Chenrezig“ – der Buddha des Mitgefühls.

Avalokiteshvara ist der Bodhisattva mit den meisten verschiedenen Erscheinungsformen.

Seine vielen Namen verdankt Avalokiteshvara den unterschiedlichen Traditionen. So wird er beispielsweise in Asien weiblich dargestellt. Außerdem hat er in den einzelnen Ländern unterschiedliche Namen:

  • in China kennt man ihn als Göttin Guanyin
  • in Japan als Kannon
  • in Vietnam als Quan Âm
  • in der Mongolei ist er unter den Namen als Migjid Janraisig, Xongsim Bodisadva oder Niduber Ujegci bekannt.

Das Karandavyuha-Sutra sieht ihn als eine Emanation des Adi-Buddhas. Im Kriya Tantra ist er eine Meditationsgottheit und eine Variante von ihm ist Lokeshvara.

Avalokiteshvara - die Geschichte des Königssohns

Sind Avalokiteshvara und Chenrezig dasselbe Wesen?

Bei Avalokiteshvara und Chenrezig handelt es sich um ein und dasselbe Wesen. Die Tibeter nutzen das Wort Chenrezig während man im indischen Sanskrit das schwierige Wort Avalokiteshvara verwendet.

Chenrezig schaut in Tibet auf prominente Reinkarnationen zurück. Sowohl der historische King Sangtsen Gampo (617-698 AD) als auch die gesamte Ahnenreihe des Dalai Lama werden als seine Reinkarnation angesehen.

In der Tibetischen Kunst wird Avalokiteshvara bzw. Chenrezig gerne auf den sogenannten Thangkas – den tantrischen Rollbildern dargestellt. Sie zeigen häufig Buddhas und Bodhisattvas und werden nach strengen ikonischen Regeln auf Leinen oder Seide gemalt.

Welche Bedeutung hat Avalokiteshvara?

Für Tibet hat Avalokiteshvara eine ganz besondere Bedeutung. Als er im 7. Jahrhundert Tibet besuchte, wurde er für den ersten Bodhisattva gehalten und von den Tibetern als politischer und geistiger Führer akzeptiert.

Laut den Erzählungen führte Avalokiteshvara Tibet heraus aus Schmerz und Leid zum Weg des reinen Landes. Noch heute glauben die Tibeter an die Reinkarnation Avalokiteshvaras als Dalai Lama.

Wer verehrt Avalokiteshvara und warum?

Er gilt als Schutzpatron Tibets und ist die Schutzgottheit der tibetischen Gelugpa Schule. Gelugpa bedeutet „Richtung der Tugend“ Sie ist die vierte und jüngste Schule des tibetischen Buddhismus – eine sogenannte reformierte Schule (aus einer Reform entstanden) und ihr berühmtester Angehöriger ist der Dalai Lama.

Für die Mahayana-Buddhisten stellt Avalokiteshvara den bedeutendsten Bodhisattva dar, der sich über die Naturgesetze erheben und Zeit und Raum außer Kraft setzen kann.

Auch in anderen buddhistischen Strömungen wird Avalokiteshvara verehrt:

  • Theravada – der Hauptform des Buddhismus, die in Sri Lanka, Myanmar, Kambodscha, Thailand und Laos verbreitet ist
  • Vajrayana – eine Form des tantrischen Buddhismus, die sich in Indien und Tibet entwickelte
  • Tantrischen bzw. esoterischem Zweig des Buddhismus

Pagoden im Mahayana Buddhismus -Verehrung von Avalokiteshvara

Welches Mantra hat Avalokiteshvara und was ist dessen Bedeutung?

In den buddhistischen Gebeten und Riten nutzt man sogenannte Mantras. Dabei handelt es sich um heilige Silben, Worte oder Wortgruppen aus dem Sanskrit, die singend in einer Gruppe oder auch flüsternd oder nur gedacht während der Meditation rezitiert werden. Sie dienen der Anrufung einer höheren Wirklichkeit oder eines höheren Wesens.

Avalokiteshvara wird mit mehreren Mantren in Verbindung gebracht. Die am weitesten verbreitete buddhistische Praxis des Mantras für Avalokiteshvara ist das sechs-silbige Mantra: OM MANI PADME HUM

  • OM – befreit vom Leid der Götterbereiche
  • MA – befreit vom Leid der Halbgötterbereiche
  • NI – befreit vom Leid der menschlichen Lebensbereiche
  • PAD – befreit vom Leid der Tierbereiche
  • ME – befreit vom Leid der Bereiche der Hungergeister
  • HUM – befreit vom Leid der Höllenbereiche

Die Essenz eines Mantras ist nicht nur dessen wörtlicher Inhalt, sondern die Übung der richtigen Aussprache in Verbindung mit der Atmung, deren Wirkung jenseits der semantischen Bedeutung liegt.

Der mittlere Teil des Mantras kann mit: Juwel im Lotus“ übersetzt werden. Der Lotus ist eines der bekanntesten buddhistischen Symbole und steht für spirituelles Erwachen, die Verbindung zu Buddha und die Reinheit.

Mantras werden häufig auch in Form eines Chanting – einer Art religiösen Gesang – vorgetragen. Eine wunderschöne Aufzeichnung eines „Namo Avalokiteshvara“ Chant→ gibt es mit dem erst kürzlich verstorbenen Zen-Meister Thich Nhat Hanh auf YouTube zu sehen.

Om Mani Padme Hum - Das Mantra des Avalokiteshvara
Om Mani Padme Hum – Das Mantra des Avalokiteshvara

Ist Avalokiteshvara ein Gott?

Nein – Avalokiteshvara ist kein Gott im christlichen Sinne. Die buddhistische Religion kennt keinen solchen Gott, sondern nur Buddha→. Dieser hat seine Lehre verbreitet und andere Menschen auf seinem Weg zur Erleuchtung seine Weisheiten gelehrt.

Im Buddhismus spricht man, wie oben bereits erwähnt, von den Bodhisattvas – gottähnlichen Gestalten – von denen es eine ganze Reihe gibt.

Wie wird Avalokiteshvara dargestellt?

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Aspekte, die Avalokiteshvara zugeschrieben werden, wird er in zahlreichen verschiedenen Figuren dargestellt.

Häufig begegnet man dem beliebten Bodhisattva im Lotussitz mit vier Armen. In den tantrischen Traditionen hat Avalokiteshvara als stehende Figur 11 Köpfe und 1000 Arme, die Bodhisattva Attribute halten oder Blumen regnen lassen.

  • Sadaksari-Lokeshvara

Am häufigsten findet man Avalokiteshvara als Sadaksari-Lokeshvara abgebildet. Der Name heißt so viel wie: Der, dessen Mantra sechs Silben hat“, bezogen auf das berühmte Avalokiteshvara-Mantra: Om Mani Padme Hum.

Dieser vierarmige Avalokiteshvara, den man auch Kharcheri nennt, hat den geschlossenen Lotussitz eingenommen und hält in den zwei erhobenen Händen eine Gebetskette = Akshamala mit 108 Perlen und eine Lotusblüte. Seine beiden anderen Hände hat der Bodhisattva vor der Brust im Namaskara Mudra – der Gebetshaltung zusammengelegt. Zwischen ihnen hält er zusätzlich das Juwel als Zeichen der Weisheit. Auf dem Kopf trägt er neben der 5-zackigen Krone eine kleine Abbildung Amitabhas.

  • Sahasrabhuja-Lokeshvara

So wird die stehende Darstellung von Avalokiteshvara genannt, die ebenso typisch für ihn ist wie die sitzende mit den vier Armen. Im Stand hat er jedoch 1000 Arme – um überall eingreifen und alles Leiden lindern zu können. Das Auge auf seinen Handflächen sorgt dafür, dass kein Wesen von seinem Mitgefühl übersehen wird. Dabei helfen ihm außerdem die elf Köpfe, die ihm der Legende nach von Buddha gegeben wurden.

  • Simhanada Avalokiteshvara

Eine seltene und frühe Form der Avalokiteshvara Darstellung ist die, bei der der Bodhisattva auf einem Löwen sitzt. Auch in einigen chinesischen Traditionen finden sich Figuren Guanyins reitend auf einer löwenähnlichen Kreatur.

Avalokiteshvara - Darstellung mit 1000 Armen

Welche Symbole zeigt Avalokiteshvara?

Stehend wird Avalokiteshvara oftmals mit 8 Armen auf einem Lotus gezeigt, wobei er mit verschiedenen Bodhisattva Attributen zur Abwehr von Dämonen und zur Verkündigung der Weisheit ausgestattet ist.

Neben dem Lotus, den er in vielen Darstellungen in der Hand hält, trägt Avalokiteshvara weitere Attribute wie beispielsweise:

  • Pfeil und Bogen
  • kleine mit Juwelen oder Amrita (Lebenselixier) gefüllten Kanne
  • Diskus
  • Dreizack
  • Buch

In China findet man Avalokiteshvara als weibliche Statue Guanyin abgebildet. In Japan sind die Kannon-Figuren (andere Bezeichnung für Avalokiteshvara) auch eher männlich konnotiert.

Avalokiteshvara - Symbole des Bodhisattvas
Avalokiteshvara mit heiligen Symbolen

format_list_numbered

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.